(Open-Source-)Software und Open Educational Resources

Die Transferstelle für Open Educational Resources berichtet heute über die Pläne von Amazon Education, eine eigene Plattform zum Teilen und Verarbeiten frei verfügbarer Bildungsmaterialien aufzubauen. Es scheint allerdings noch nicht klar zu sein, ob damit frei lizenzierte Bildungsmaterialien (Open Educational Resouces – kurz: OER) oder „nur“ kostenlose Materialien gemeint sind.

Diese Entwicklung ist in vielerlei Hinsicht interessant. Denn bereits vor zwei Jahren wurde eine solche Entwicklung vorausgesehen und auch im Rahmen eines Panels auf der OER-Konferenz 2014 diskutiert. Schwerpunktmäßig drehte es sich dabei um mögliche Geschäftsmodelle von OER-Startups, die im Vergleich zu klassischen Bildungsmedienherstellern nicht mit dem Verkauf von Inhalten (Texten, Bildern, Arbeitsheften, Büchern etc.) Geld verdienen, sondern mit um die Inhalte herum angebotenen Dienstleistungen. Im Prinzip das klassische Open-Source-Geschäftsmodell. Die Sorge war zu diesem Zeitpunkt, dass bei einer fehlenden Bereitschaft der Politik/öffentlichen Hand OER zu finanzieren „[…] die Wirtschaft, sprich hier die großen Player dies künftig übernehmen [werden], sie haben die finanziellen Ressourcen + Infrastruktur. In ein paar Jahren könnten daher alle freien Bildungsmaterialien auf einer Plattform gebündelt sein, die von einem der großen Player betrieben wird.“ (Zitat aus dem Etherpad zur Dokumentation der Session).

Amazon kündigt nun an, dass es die Plattform auf Dauer kostenlos und für alle Nutzer frei betreiben will. Geld verdienen könnten sie dann möglicherweise mit dem Anbieten von Druckdiensten oder Produkten, die für die Umsetzung der in den Materialien beschriebenen Ziele hilfreich sind. Das könnten bei einer Informatik-Lehreinheit zum Beispiel ein zur Einheit passender Klassensatz Arduinos sein.

Interessant ist diese Entwicklung auch bezüglich des Zusammenhangs von Open-Source-Software (OSS) und OER. So fordert das Bündnis Freie Bildung in seinem Positionspapier: „Nur offene Formate und Programme können auf technischer Ebene eine ungehinderte und plattformunabhängige Verwend- und Bearbeitbarkeit von OER garantieren. Software, die selbst OER sein oder zur Bereitstellung und Verwendung von OER entwickelt und eingesetzt werden soll, muss entsprechend als Freie Software bzw. OpenSource-Software lizenziert sein.“ Es scheint eher unwahrscheinlich, dass Amazon seine Software unter eine freie Lizenz stellen wird, und vor allem ob es offene Schnittstellen für die Anbindung anderer OER-Plattformen geben wird.

Amazon könnte so zu einem echten Konkurrenten für die OER-Projekte der Länder und des Bundes, aber auch für die deutschen OER- und OER-nahen Statups wie tutory, meinUnterricht.de und Lernox werden. Während die Vertreter aus dem öffentlich finanzierten Bereich allerdings eher nach dem Prinzip „Freie Software für Freie Inhalte“ arbeiten (das Land Berlin führt z.B. die Software von edu-sharing.net ein), tun sich die Startups etwas schwerer damit. Auch das dürfte an dem (noch zu etablierenden) Geschäftsmodell liegen.

Wer sich für den genaueren Zusammenhang von (Open-Source-)Software und OER interessiert, der kann sich übrigens die, von der Free Software Foundation Europe und der Technologiestiftung Berlin organisierte, Podiumsdiskussion zu genau dem Thema auf der OER-Konferenz 2016 in Berlin ansehen. Hierfür ist allerdings eine Anmeldung nötig.

Ein Kommentar zu “(Open-Source-)Software und Open Educational Resources

  1. Das Geschäftsmodell von Amazon ist wahrscheinlich eher BIETE: OER >> BEKOMME: Kundenbindung, Werbekunden, Personendaten und kann besser Produktangebote auf Personen matchen ;-).
    Das Geschäftsmodell von Google… BIETE: coole Tools >> BEKOMME: dito
    Mit diesen Modellen gegen die Großen im offenen Web in Konkurrenz zu gehen ist extrem schwierig – Empfehlung an die Gründer: eher nicht tun 😉

    OER Services der Länder oder der Gründer haben aber trotzdem eine gute Chance, aber hauptsächlich innerhalb unserer Bildungseinrichtungen! Nur hier können wir datenschutzkonform persönliche Daten (z.B. Vorkenntnisse, Lernziele, Vorlieben) für gute Suchergebnisse, Vorschläge oder andere OER-Services verwenden. Damit aber nicht jede einzelne Bildungseinrichtung alle OER- und E-Learning-Services installieren muss, macht eine Kooperation in föderierten, geschützten Clouds Sinn. Die Kooperation beim Tool-Sharing wird im Hochschulbereich / DFN-Netzwerk schon praktiziert. Daher vernetzen wir im edu-sharing NETWORK Entwickler und Anwender, damit diese ihre Ressourcen bündeln…

    Das heißt also: die Software muss in den Einrichtungen installierbar und sollte idealerweise open-source sein, also anpassbar und mit anderen Tools integrierbar (das wäre mein Tipp für die OER-Gründer 😉 – auch hier gibt es gut funktionierende Geschäftsmodelle).

    Zentrale „Referatorien“ (meist Link-Sammlungen oder Suchen) der Länder machen auch Sinn, da hier Lerninhalte entsprechend der Bildungspläne gesammelt und von Redaktionen qualitätsgesichert, also empfohlen werden. Das möchte man sicher nicht Amazon und Google überlassen 😉 Die Technologien könnte man etwas modernisieren (außer in Berlin 😉 )

    Zentrale „Repositorien“ (also Ablageorte, nicht nur Verlinkungen) sind hauptsächlich Softwarelösungen für Bildungseinrichtungen, damit diese ihre Contents professionell verwalten und (falls OER) für externe Suchmaschinen oder Metadatenabfragen bereitstellen können.
    Diese Systeme sind aber auch als Arbeitsumgebung für Autoren in den pädagogischen Landesinstituten sinnvoll. Die Lösung in Berlin kann beides: OER Referatorium für Redaktionsteams und OER-Repositorium für Autorenteams.

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