Warum Bildung nicht zu technisch sein sollte

Die OSBA (Open Source Business Alliance) hat am 19. November einen Referenzrahmen durch ihre Working Group Education herausgeben lassen. Das Paper beschäftigt sich unter anderem mit Rechts-, Infrastruktur- und Ausstattungsfragen. Auch der Umgang mit einer modernen Didaktik wird angesprochen. So sollen kooperative Arbeitsformen durch entsprechende Tools in der Cloud abgebildet werden – und das unter Wahrung der jeweiligen Persönlichkeitsrechte.

Insgesamt bietet das Paper einen sehr schönen Überblick über technische Möglichkeiten eines offenen Systems für den Bildungsbereich. Vollkommen richtig werden Punkte wie z.B. der Lock-In-Effekt (also technisch bedingte Abhängigkeiten von Produkten/Herstellen) als kritisch für Schulen beschrieben. Die didaktische Grundlage könnte aber durchaus ausgereifter sein. Es wird zwar in knappen Abschnitten auf Didaktik und Methodik von Bildungsprozessen eingegangen, aber  die technischen Möglichkeiten scheinen im Mittelpunkt zu stehen. Das mag für einen Branchenverband der FOSS-Unternehmen logisch und konsequent sein, man riskiert damit aber immer sich in einem Bereich zu verlieren, der mit dem Lernprozess im Unterricht relativ wenig zu tun hat.

Für den Lernenden zählt häufig nicht, welches Tool genutzt wird, sondern nur, ob es ihm hilft seinen Lernprozess zu verbessern. Genau das ist auch der Grund, weshalb Produkte von Apple bei Lehrkräften so beliebt sind: sie funktionieren und sehen dabei noch ansprechend aus. Beginnt man von einer rein technischen Seite dieses Problem zu beleuchten, dann landet man ziemlich schnell wieder bei der für Schule vollkommen irrelevanten Frage: Was ist das bessere Entwicklungsmodell – proprietär oder offen?

Wichtiger erscheint mir, neben all den in dem Paper beschriebenen (sicherlich richtigen) Argumenten, die Frage der Authentizität. Wie glaubwürdig kann eine Schule ein Gesamtkonzept mit kollaborativen und offenen Lernformen vertreten, wenn ihre Systeme geschlossen sind? Und wo wird die Grenze gezogen zwischen Pragmatismus („Das System ist zwar geschlossen, funktioniert aber sehr gut.“) und Konsistenz („Wir nutzen das offene Produkt, weil es unsere Vorstellungen von Lernen besser verkörpert.“). Diese Entscheidung trifft im Endeffekt jede Schule und jeder Bildungsbetrieb selbst und am Ende wird sich wohl immer eine Mischposition durchsetzen. Trotzdem sollte in einem solchen Paper auch die pädagogische Seite nicht zu kurz kommen.

Anmerkung: Ein kleiner Fauxpas ist übrigens auch in den Metadaten des Papers zu finden. Es wurde mit Adobe InDesign CS6 (Windows) erstellt…

Slider-Bild von opensourceway (CC BY-SA 2.0)

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