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Open Educational Resources und Apple

Betrachtet man die deutsche Open Educational Resources – oder kurz – die OER-Szene bzw. trifft deren Vertreter und Fürsprecher, so fällt eine Sache besonders schnell auf: Die meisten User setzen auf Technologien von Apple. Auch beim Mozilla-Projekt, welches den bekannten (und freien) Internetbrowser Firefox zur Verfügung stellt, bietet sich ein ähnliches Bild. Eine Mitarbeiterin schätzte mir gegenüber den Anteil von MacBook, iPad und Co unter ihren Kollegen auf ca. 70%.

Menschen, denen der freie Zugang zu Wissen und Internet wichtig erscheint, nutzen Technologien und Software, die das Gegenteil von frei sind. Verwunderlich ist dies erst auf den zweiten Blick. Denn es ist unbestritten, dass sich freie Inhalte auch problemlos mit Hilfe von unfreier Technik erstellen, verändern und verbreiten lassen. Trotzdem drängt sich die Frage auf wie diese Gegensätze ideell zu vereinbaren sind. Oder böse gefragt: Heiligt der Zweck die Mittel?

Es ist sinnvoll die Anfänge der Open-Bewegung zu betrachten, deren Ursprung in der Wissenschaft zu finden ist. Damals war es jedoch keine wirkliche Bewegung, weil es zu den universitären Prinzipien gehörte und noch immer gehört, neues Wissen offen zu teilen, zu prüfen und zu bewerten, damit die daraus gewonnenen Erkenntnisse möglichst gut (weiter)entwickelt werden können. Das nennt sich dann kurz und knapp Peer-Review und ist den meisten ein Begriff. Im Bereich der Informatik schloss das natürlich auch den Quellcode der Programme mit ein. Und genau das könnte der entscheidende Punkt sein.

Vertreter aus den Reihen Freier Software und OER sind sich einig, dass Wissen und Information für alle Menschen, unabhängig von finanzieller Lage oder sozialem Stand frei zugänglich sein muss. Uneinigkeit herrscht offensichtlich in Hinblick auf die Definition von Wissen. Während die einen den Quellcode aus der wissenschaftlichen Tradition heraus als Wissen definieren, ist er für die anderen eher eine Art Produkt, so wie ein Stuhl oder ein Schrank. Diese erwirbt man käuflich und entschädigt den Produzenten dann für Arbeitsaufwand und Material.

Allerdings gibt es auch andere Beispiele: Bei Wikimedia Deutschland e.V. wird jedem Mitarbeiter die Installation eines Ubuntu-Linux-Systems nahegelegt – vorgeschrieben ist es aber nicht. Also stellt sich die Frage ob die eben beschriebe Definitionsgrenze eventuell nicht zwischen freiem Wissen und Freier Software verläuft, sondern eher zwischen freiem Wissen und freien Lehr- und Lernmaterialen. Prinzipiell lässt sich natürlich jede Art von Wissen auch für das Lehren und Lernen verwenden, aber die didaktische Aufbereitung dürfte hier der entscheidende Zusatzfaktor sein.

Insgesamt ist es verwunderlich, dass OER (quasi als Sonderform des freien Wissens) Freier Software ideell nicht ebenso nahe steht wie das freie Wissen selbst. Wahrscheinlich siegt für viele der technikaffinien OER-Ersteller und -Verbreiter ab einem gewissen Punkt der Pragmatismus über den Idealismus. Oder aber die historischen Umstände, die OER begünstigen, werden noch nicht hinreichend kommuniziert.

Dennoch: Am Ende zählt vor allem die Tatsache, dass die beschriebenen Gruppen grundsätzlich ähnliche Vorstellungen von gesellschaftlicher Teilhabe vertreten. Jeder sollte für sich persönlich entscheiden, ob und wie er diesen Prozess unterstützen möchte. Und für den Anfang geht das auch mit unfreier Software.

Slider-Bild von opensourceway (CC BY-SA 2.0)

4 Gedanken zu „Open Educational Resources und Apple

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