Medienkritische Bildung auf dem LinuxTag 2012

Vom 23. bis 26. Mai fand in Berlin der LinuxTag 2012 statt. Neben größeren Firmen gab es wie jedes Jahr eine ganze Menge Community-Projekte zu sehen. Zwar dauert die Veranstaltung insgesamt vier Tage, aber für mich war vor allem der Donnerstag als Messetag interessant. Das lag in erster Linie an einer Vielfalt verschiedener Vorträge zu schulspezifischen Themen.

Die Vorträge von Vertretern der Univention GmbH konzentrierten sich hauptsächlich auf technische Aspekte einer modernen Schul-IT. Es ging um Fragen der Administration, wie beispielsweise das Zuordnen der Schülerinnen und Schüler in Klassengruppen oder das Einbinden von Client-Rechnern mit verschiedenen Betriebssystemen. Der Einsatz von Open-Source-Lösungen im Bereich der Schuladministration bietet neben der Möglichkeit das System hoch individuell zu konfigurieren auch (oft finanzielle) Vorteile hinsichtlich Wartung und Pflege.

Allerdings hat der Einsatz Freier Software in der Schule auch direkte Vorteile für den Unterricht, wenn es um die Vermittlung medienkritischen Verhaltens geht. Das hat Wolf-Dieter Zimmermannn, ehemaliger Leiter des Lehrerseminars in Neuss (NRW), sehr anschaulich in seinem Vortrag diskutiert:

Nachhaltigkeit in der Medienbildung? Nur mit freier Software!

Zunächst müsse gefragt werden, ob – und inwieweit – Medienkritik in der Schule verankert werden soll. Dies sei mit einem klaren „ja“ zu beantworten. Medien sind als Informationstechnologien immer auch Schnittstellentechnologien, verbinden also unterschiedliche Themenfelder miteinander und helfen Informationen durch entsprechende Aufbereitung schneller und effektiver zu erfassen. Damit dieser Prozess kritisch hinterfragt werden kann, muss es zunächst möglich sein ihn zu verstehen. Und ein Verstehen ist nur möglich, wenn der Quellcode der jeweiligen Software öffentlich einsehbar ist.

Einen ebenso wichtigen Punkt sieht Zimmermann in der Frage nach sozialer Gerechtigkeit. Allen Schülerinnen und Schülern muss die Chance geboten werden mit dem gleichen hochwertigen Lernmittel arbeiten zu können. Da Freie Software in den meisten Fällen kostenlos verfügbar ist, kann und sollte sie an die Schülerinnen und Schüler weitergegeben werden. So lassen sich einerseits in der Schule begonnene Lernprozesse zu Hause fortsetzen und andererseits Benachteiligungen von Kindern aus weniger finanziell gesicherten Verhältnissen reduzieren. Denn diese können sich kostenpflichtige Produkte oftmals nicht leisten und werden im schlimmsten Fall sogar zu einer Urheberrechtsverletzung gedrängt.

In Gesprächen mit  Lehrerinnen und Lehrern wurde ich in dem Kontext oftmals darauf hingewiesen, dass auch Freeware diesem Anspruch gerecht wird. Vor allem, wenn sie eine kostenlose Nutzung erlaubt, die nicht kommerziell bzw. rein privat ist. Außer Acht gelassen wird dabei oftmals die Frage nach der Authentizität, also der Glaubhaftigkeit einer Schule. Als Einrichtungen der institutionellen Bildung in unserem Staat, befähigen Schulen die neuen Generationen unsere Gesellschaft kritisch zu hinterfragen und aktiv zu gestalten. Um das zu erreichen gibt es vielseitige Konzepte. Die meisten enthalten Schlagworte wie Demokratie, Transparenz oder Offenheit. Es scheint zumindest im Gesamtbild zweifelhaft, ob eine Schule jene Werte und Ideale authentisch vermitteln kann, wenn sie sie selbst nicht vollständig in ihr System integriert. Freie Software ist im Gegensatz zu Freeware transparent und offen, genau wie eine moderne Schule auch.

 

Slider-Bild von opensourceway (CC BY-SA 2.0)

2 Gedanken zu „Medienkritische Bildung auf dem LinuxTag 2012

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